BSM arbeitet an neuer Zivilschutzausbildung
Ab dem Jahr 2030 wechselt die Verantwortung für die Zivilschutzausbildung von den Gemeinden zum Kanton. Die Grundlage dafür bildet das am 1. Januar 2026 in Kraft getretene neue Kantonale Zivilschutzgesetz. Damit der Kanton seine neue Aufgabe im Jahr 2030 übernehmen kann, ist eine sorgfältige Vorbereitung und Planung erfolgsbestimmend. Im Jahr 2025 lancierte das BSM daher ein Projekt zur Neugestaltung der Ausbildungslandschaft im Zivilschutz.

Dem Zivilschutz Kanton Bern steht eine grosse Veränderung bevor. Mit der Verabschiedung des neuen Kantonalen Zivilschutzgesetz, das 2026 in Kraft tritt, nahm der Grosse Rat eine wesentliche Weichenstellung vor: bisher im Zuständigkeitsbereich der Gemeinden, soll ab dem Jahr 2030 der Kanton für die Zivilschutzausbildung verantwortlich sein. Dem BSM bleiben also vier Jahre, um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Die Herausforderungen sind dabei vielfältig: die Ausbildungsgänge müssen inhaltlich definiert werden, ein Instruktionskorps muss aufgebaut werden und es ist festzulegen, wo welche Ausbildungen stattfinden sollen. Für eine angemessene ICT-Infrastruktur muss ebenfalls gesorgt sein. Eine vorausschauende zeitliche Planung ist daher besonders wichtig: Wann ist das Instruktionspersonal zu rekrutieren, damit es 2030 ausgebildet zur Verfügung steht? Wann muss das Kursprogramm bekannt sein, damit sich die Schutzdienstleistenden rechtzeitig anmelden können?
Ziel: eine qualitativ hochstehende, moderne und einheitliche Ausbildung in beiden Amtssprachen
Um keine Zeit zu verlieren, lancierte das BSM bereits 2025 ein Projekt zur Neugestaltung der Zivilschutzausbildung. Ein erster Meilenstein stellte die Rekrutierung von Christoph Kurth dar. Der ehemalige Leiter des ZAR Aarwangen übernahm ab April 2025 die Leitung des Projekts.
Bis Ende 2025 konnte die Startphase abgeschlossen und das Fundament für die nächsten Schritte geschaffen werden. Die gesamte Projektorganisation mit Auftraggeber, Projektausschuss, Projektleitung, Teilprojekten und zusätzlichen unterstützenden Gremien wurde aufgebaut und die Aufgaben der jeweiligen Rollen wurden definiert. Der Projektauftrag und ein erster Projektmanagement-Plan wurden erarbeitet. Eine Risiko- und Chancenmatrix zeigt auf, welche Schwierigkeiten oder Vorteile das Projekt mit sich bringen könnte. Definierte mögliche Risiken sind beispielweise mangelnde Kooperation zentraler Akteure und Stakeholder sowie fehlende personelle Ressourcen. Das Projekt bietet aber auch grosse Chancen, etwa eine gemeinsame Wissens- und Erfahrungsbasis im Instruktionsteam, ein kantonsweit einheitliches Vorgehen und die Nutzung digitaler Ausbildungs- und Lernformen.
Es ist ganz klar zu betonen: die Qualität der Zivilschutzausbildung im Kanton Bern ist bereits jetzt hoch: Die Gemeinden und insbesondere die von ihnen betriebenen Ausbildungszentren bereiten die Schutzdienstpflichtigen zielgerichtet für ihren Einsatz zugunsten der Berner Bevölkerung vor. Bis Ende 2029 werden die Gemeinden die Zivilschutzausbildung in der bisherigen Qualität weiterhin sicherzustellen.
Mit der Überführung der Verantwortung für die Zivilschutzausbildung zum Kanton sollen primär Synergien genutzt und eine grössere Einheitlichkeit der Ausbildungsinhalte hergestellt werden. Die Qualität der Ausbildungsinhalte in beiden Amtssprachen des Kantons ist tendenziell noch zu steigern. Die Chancen zur Effizienzsteigerung, zur Modernisierung der pädagogischen und didaktischen Methoden und zur Einbindung neuer, digitaler Ausbildungs- und Lernformen sollen im Zuge dieses Projekts ebenfalls genutzt werden.
Projektarbeit in mehreren Teilbereichen lanciert

Im Jahr 2025 wurde die Arbeit in den verschiedenen Teilbereichen des Projekts aufgenommen:
- Ausbildungs- und Kursprogramm: Gemäss den Vorgaben des Bundes müssen auch weiterhin Grundkurse, Kaderkurse und Spezialistenkurse stattfinden. Doch wie sollen diese inhaltlich und zeitlich ausgestaltet sein? Wie muss das Kursprogramm aussehen, damit es die Erwartungen erfüllt? Welche zeitgemässen Ausbildungs- und Lernmethoden sollen zum Einsatz kommen? Diese und weitere Fragen wurden bereits bearbeitet.
- Infrastruktur: Wo soll die vom Kanton angebotene Ausbildung künftig stattfinden? Die Zuständigkeitsverschiebung von den Gemeinden zum Kanton steht zwar nicht in einem direkten Zusammenhang mit dem separaten Projekt der Gebäudeversicherung Bern, der Kantonspolizei und des BSM zum Bau eines gemeinsamen Ausbildungszentrums. Dennoch bestehen gewisse Abhängigkeiten. So sind etwa folgende Fragen zu beantworten: Welche Räumlichkeiten und Anlagen werden benötigt? Ab wann steht das neue Ausbildungszentrum zur Verfügung? Wo führt der Kanton die Ausbildung in der Übergangsphase durch? Welche Kurse werden künftig zentral durchgeführt und welche werden vor Ort in den Gemeinden stattfinden?
- Personal: Wer bereits einmal eine Ausbildung besucht hat, weiss, dass deren Qualität direkt und primär von der Qualität des Lehrpersonals abhängt. Daher gilt es, ein gut ausgebildetes und vor allem motiviertes Instruktionskorps aufzubauen. Im vergangenen Jahr wurde evaluiert, welche personellen Ressourcen erforderlich sein werden, welche Aufgaben die Instruktorinnen und Instruktoren haben werden und welche Qualifikationen sie mitbringen müssen. Dies bildet die Grundlage für die Gespräche mit dem bestehenden Instruktionspersonal der heutigen Ausbildungszentren der Gemeinden. Denn das BSM hat ein grosses Interesse daran, auch in Zukunft von deren Erfahrung und Knowhow profitieren zu können.
Dem BSM ist es ein grosses Anliegen, möglichst viele Anspruchsgruppen direkt in das Projekt miteinzubeziehen. Dazu gehören etwa die Trägerschaften der Ausbildungszentren der Gemeinden, das Instruktionspersonal, die Zivilschutzorganisationen und weitere Partnerinnen und Partner. Sie sind auf geeignete Art und Weise in den Projektgremien vertreten und ein Informationsaustausch sowie Absprachen finden laufend statt und dürften sich in den kommenden Monaten noch intensivieren.
Die Arbeit geht auch 2026 weiter
Im Jahr 2026 beginnt die sogenannte Konzeptphase. In dieser Phase werden alle Grundlagen erarbeitet und / oder vertieft, die nötig sind, damit das BSM die Ausbildung ab 2030 übernehmen kann. Dazu gehören Entscheide über Standorte und Infrastruktur, die Planung der zukünftigen Kursangebote, moderne Unterrichtsmethoden, die Gestaltung der Personalstruktur sowie die Planung des Übergangs von den Gemeinden zum Kanton. Parallel dazu erfolgen ein regelmässiger Austausch mit allen Beteiligten und ein sorgfältiges Risikomanagement.
Ausgewählte Kennzahlen
Rekrutierung von Angehörigen des Zivilschutzes, Kanton Bern

Erneut konnten über 600 Personen für den Zivilschutz rekrutiert werden. Tendenziell nehmen die Bestände der aktiven Angehörigen des Zivilschutzes jedoch ab.
Anzahl Zivilschutzorganisationen im Kanton Bern

Mehrere Zivilschutzorganisationen haben sich in den vergangenen Jahren zusammengeschlossen, um Ressourcen zu bündeln.