Notfallplanung Naturgefahren: Kanton und Gemeinden stärken gemeinsam die Vorsorge

Im Kanton Bern lebt rund jede 500. Person in einer roten Gefahrenzone – also in einem Gebiet, das bei Naturereignissen besonders stark bedroht ist. Für diese Zonen hat die Abteilung Bevölkerungsschutz gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden spezifische Notfallplanungen erarbeitet. Sie sorgen dafür, dass Einsatzkräfte bei Ereignissen wie Hochwasser schnell, koordiniert und wirksam handeln können.
Standardisierte Planung für mehr Widerstandsfähigkeit
Mit der kantonsweit einheitlichen Notfallplanung stärkt der Kanton Bern die Vorsorge gegenüber Naturgefahren. Gemeinden und Einsatzorganisationen erhalten klare, praxistaugliche Grundlagen, um im Ernstfall rasch reagieren zu können. Die Planung umfasst vorbereitete Abläufe, Alarmierungs- und Entscheidungsschemen, Interventions- und Auftragskarten sowie Übersichten zu benötigtem Material und Personal. Gleichzeitig bleibt der Einsatzleitung genügend Handlungsspielraum, um flexibel auf die Lage zu reagieren. Ziel ist es, Bevölkerung, Infrastruktur und Lebensgrundlagen bestmöglich zu schützen.
189 Gemeinden mit erhöhtem Risiko
Basis der Notfallplanungen sind die Gefahrenkarten, die der Kanton gemeinsam mit den Gemeinden erstellt hat. Sie zeigen, welche Gebiete von welchen Naturgefahren betroffen sind. Seit 2014 unterscheiden die Karten drei Zonen:
- Rot: erhebliche Gefährdung für Menschen und Infrastruktur
- Blau: mittlere Gefährdung
- Gelb: geringe Gefährdung
In roten Zonen besteht sowohl innerhalb als auch ausserhalb von Gebäuden ein hohes Risiko. Neue Bauten oder Erweiterungen sind dort nicht erlaubt. Im Kanton Bern lebt jede 500. Person in einem Gebäude der roten Zone, in der blauen Zone sogar jede 20. Person. Insgesamt weisen 189 Gemeinden ein nachgewiesenes Gefahrenpotenzial auf. Sie alle haben in den vergangenen zehn Jahren zusammen mit dem Kanton eine Notfallplanung erarbeitet – wie es das kantonale Bevölkerungsschutzgesetz (KBSG) verlangt.
Menschen und Tiere schützen – Schäden verhindern

Die Notfallplanungen sollen im Ereignisfall Menschen und Tiere schützen, Zeit gewinnen und Schäden reduzieren oder verhindern. Je nach Schwere des Ereignisses kommen unterschiedliche Massnahmen zum Einsatz. Die Planung orientiert sich an einer einfachen Farbskala:
- Gelb: Beobachtung und Überwachung
- Orange: Intervention
- Rot: Eskalation und/oder Evakuation
Das Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär (BSM) unterstützte die Gemeinden bei der Erarbeitung der Planungen und arbeitete eng mit Fachpersonen aus Feuerwehren, Führungsorganen und Schwellenkorporationen zusammen. Gefahrenstellen wurden gemeinsam erfasst, beurteilt und diskutiert. Der Bund beteiligt sich finanziell an der Erstellung der Notfallplanungen.
Ein zentraler Baustein des Bevölkerungsschutzes
Gefahrenkarten und Notfallplanungen sind Teil des integralen Risikomanagements des Kantons Bern – einem Kernstück des Bevölkerungsschutzes. Dieses gesetzlich verankerte System legt fest, wie Risiken erkannt, beurteilt und Massnahmen geplant werden. Der Ablauf nach einem Ereignis folgt stets dem gleichen Muster: Einsatz der Blaulichtorganisationen, provisorische Instandstellung (oft mit Unterstützung des Zivilschutzes), anschliessend der definitive Wiederaufbau. Danach folgt die Auswertung – und darauf aufbauend Prävention und Vorsorge. Genau in diesem Bereich sind Gefahrenkarten und Notfallplanungen angesiedelt.