Seinen ersten Food-Blogbeitrag verfasste er, kurz bevor er 2018 seine Stelle als Spezialist Schutzbauten antrat. Seinen neuen Bürokolleginnen ist es zu verdanken, dass Michele Audino nicht nur bloggt, sondern mit seinen schmackhaften Rezepten auch auf Instagram zu finden ist.

Peterli und Knoblauch dürfen in seiner Küche niemals fehlen: Michele Audino ist leidenschaftlicher Foodblogger und mindestens genauso leidenschaftlicher Geniesser. Gutes Essen begleitet ihn seit seiner Kindheit. Schon damals stand er neugierig neben seiner Mutter am Herd und beobachtete, wie aus einfachen Zutaten etwas Köstliches entstand. Bis heute gehören Gnocchi al Pomodoro und Parmigiana zu seinen absoluten Lieblingsgerichten.
Jeden Monat veröffentlicht Michele Audino auf seinem Foodblog assoincucina.com vier neue Rezepte. Oft sind es italienische Gerichte aus seiner Kindheit, mittlerweile lässt er sich aber auch von anderen Quellen inspirieren. Eines haben sie gemeinsam: «Hinter jedem Rezept steckt eine persönliche Anekdote», erzählt der Hobbykoch.
Zwischen zwei Kulturen
Wer einen Blick auf seinen Blog assoincucina.com wirft, erkennt sofort, dass Michele Audino ein echtes «Asso in Cucina» – ein Ass in der Küche – ist. Der Name hat eine charmante Geschichte: Audino spielt leidenschaftlich gerne mit neapolitanischen Jasskarten, und besonders angetan hat es ihm die rot-grüne Karte «Asso di bastoni». Aus dieser kleinen Vorliebe entstand schliesslich sein kulinarisches Alter Ego – und so wurde er zu seinem eigenen Asso in Cucina.
Äusserlich sieht Michele Audino wie ein Italiener aus; in seinem Innern steckt aber auch ein Bub aus dem Emmental. Aufgewachsen ist der 40-Jährige mit seiner italienischen Familie in Biglen am Rande des Emmentals. «Dieser Spagat zwischen zwei Kulturen hat mich sehr geprägt», erzählt er. Abgesehen von seiner äusseren Erscheinung ist Michele sehr schweizerisch unterwegs: «Ich schätze die Zuverlässigkeit in der Schweiz sehr, vor allem im beruflichen Umfeld.» Diese Diskrepanz zwischen seiner äusseren Erscheinung und seinem inneren Empfinden begleitet den gelernten Maurer und Architekten schon sein Leben lang.
Mit Social Media nichts am Hut

Nach der Fachhochschule hat Audino einige Jahre lang als Architekt gearbeitet. Die Kreativität, die im Studium fester Bestandteil war, konnte er im Beruf leider nicht ausleben: «Verbindliche Budgets und auch gesetzliche Rahmenbedingungen lassen das nur sehr schlecht zu», erklärt er. Seine berufliche Karriere führte ihn daher zur UPD, wo er im Gebäudeunterhalt tätig war. 2018 wird er im BSM als Spezialist Schutzbauten angestellt. «Zwischen den zwei Jobs hatte ich einen Monat Pause», erinnert sich Audino. So habe er angefangen, Rezepte seiner Familie aufzuschreiben. Zuerst von Hand, doch «das Analoge lag mir nicht», erzählt er. Und so gestaltete er in dieser Zeit eine Website als Plattform für seine Rezeptideen. Kurz darauf, unter dem Einfluss seiner neuen Bürokolleginnen im BSM, richtete er sich einen Account auf Instagram ein, wo er die neuen Rezepte jeweils anteasert. «Mit Social Media hatte ich bis anhin gar nichts am Hut», meint er schmunzelnd.
Viele der Rezepte seiner Mamma und seiner Nonna verbindet Michele mit Erinnerungen. So steckt hinter jedem Rezept, das er auf assoincucina.com publiziert hat, eine persönliche Anekdote aus seinem Leben. Dabei entstand nicht nur eine Ansammlung von Rezepten, sondern auch eine Sammlung an persönlichen Geschichten aus dem Leben des Hobbykochs und Familienvaters. Assoincucina.com ist damit nicht nur eine Hommage an die Küche seiner Kindheit, sondern dient auch dazu, seinen Kindern Giulio und Irina die Rezepte der Familie und seine italienischen Wurzeln weitergeben zu können.
Kultur, Identität und Geselligkeit

Das gesellige Zusammensein beim Essen ist Michele Audino aber genauso wichtig, wie das, was auf dem Teller liegt. Er und seine Frau Susanne und die Kinder essen abends immer gemeinsam. Wenn jemand später nachhause kommt, wird gewartet. «Kochen ist für mich Kultur, Identität und Geselligkeit», betont er und freut sich, dass die italienische Küche am 10. Dezember 2025 durch die UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt wurde.
Zwei bis drei Stunden investiert er pro Woche für seinen Blog, vor allem für die Gestaltung der Rezepte und die PDFs, die er für jedes Gericht kreiert. Die Zeit fürs Kochen rechnet er nicht als Aufwand, «Kochen muss ich ja sowieso.» Für den letzten Arbeitsschritt, dem Fotografieren der Speisen, muss es jeweils schnell gehen: «Ich esse mein Essen immer gern warm, daher wende ich für das Fotografieren der Teller selten viel Zeit auf», erklärt er lächelnd. Buon Appetito!
Nadia Ingenhoff